Begriff
→ Unsere Demokratie
Definition (neutral)
Formelhaft verwendeter Ausdruck zur positiven Selbstbeschreibung des politischen Systems der Bundesrepublik Deutschland; suggeriert kollektive Eigentümerschaft und moralische Übereinstimmung aller Bürger mit der bestehenden Ordnung.
Funktion
Legitimationsformel und Loyalitätsmarker. „Unsere Demokratie“ dient dazu, den bestehenden institutionellen und medialen Komplex symbolisch zu integrieren und zugleich Kritik moralisch zu rahmen. Der Begriff verschmilzt Verfahren, Werte und Akteure zu einer unauflöslichen Einheit – als gäbe es keine Trennung zwischen Staatsordnung, politischem Betrieb und gesellschaftlicher Moral.
Mechanismus
Sprachlich operiert der Ausdruck mit emotionaler Inklusion („unsere“) und moralischer Exklusion („wer widerspricht, gehört nicht dazu“). Psychologisch erzeugt er kollektive Identität durch Gesinnungstreue, nicht durch Teilhabe. Institutionell vernebelt er die Grenze zwischen demokratischer Ordnung (Rechtsstaat, Gewaltenteilung, Verfahren) und moralisch-medialer Deutungshoheit (Parteien, NGOs, öffentlich-rechtliche Medien, Aktivismus). Demokratie wird so nicht mehr als Mechanismus zur Machtbegrenzung, sondern als moralisches Gesamtsystembegriffen.
Opfer
Verfahrensrationalität, Kritikfreiheit, Minderheitenschutz, Bürgerverantwortung, institutionelle Trennung von Macht und Moral.
Nutzen
Profiteure sind die Träger des symbolischen Konsenses: politische Apparate, mediale Akteure, geförderte Zivilgesellschaft. Der Begriff stabilisiert Deutungshoheit, indem er Loyalität mit Demokratietreue verwechselt und Abweichung moralisch delegitimiert.
Unvernebelter Begriff
„Unsere Demokratie“ meint nicht das Volk als Souverän, sondern das System als moralische Einheit. Der Begriff subsumiert Parteien, Behörden, Medien und Aktivismen unter eine gemeinsame Legitimitätsformel und verwandelt Demokratie von einer offenen Ordnung der Kontrolle in eine Legitimationsgemeinschaft des Status quo.
→ Tatsächlicher Begriff: Rechtsstaatliche Demokratie der Bundesrepublik – oder analytisch: Institutionell-moralischer Konsensblock.
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